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Verträumte Seenlandschaft
Ein Meer von Blüten auf dem Ziest
Kühler, frischer Dunst empfängt uns an der Badestelle am Tiefen Ziest. Eine einsame, morgendliche Nixe entsteigt den Fluten; das Wasser hat (wie die Luft) so 19 Grad, berichtet sie. Wir wollen rein - aber möglichst trocken bleiben. Die Regenjacke ist angebracht auf den Faltbooten, die die Naturpark-Wächter mitbringen. Schon nach den ersten Paddelschlägen beginnt es zu nieseln. 48 Hektar Fläche umfasst der Tiefe, 36 Hektar der Flache Ziest, erzählt der Naturparkwächter Steffen Päßler. Und die wollen wir in den nächsten drei Stunden einmal umfahren.
Mit auf der Tour sind Bernd Ramm und Anette Bassow aus Mühl Rosin. In ihrem Paddelboot "Lulu" haben sie viele Seen erkundet - von den Masuren bis Skandinavien. Und jetzt auf dem Ziest?
"Ja, die Infos, die man vom Parkwächter bekommt sind mir wichtig", begründet Ramm die Exkursion gleich um die Ecke. "Und es gibt immer Neues zu sehen und zu erleben", ergänzt seine Partnerin.
Was Parkwächter Päßler gleich so sieht, freut ihn:" Die geschlossene Bootsanlage der Anlieger ist vorbildlich. So bleibt die Natürlichkeit des Sees gewahrt, wird der Schilfgürtel geschont".
Hier, am Rande des Ziests, sind Teich- und Schilfrohrsänger zu Hause, Haubentaucher und Mönchgrasmücke. Letztere ist an diesem Morgen besonders aktiv. Hin und wieder ziept auch die scharfe, metallische Stimme des Eisvogels durch. Motorboote sind auf dem geschützten Gewässer verboten.
Mit sachkundiger Führung viel mehr entdeckt
Sechs Paddelboote sind mit uns unterwegs, offensichtlich den Fischadler verstörend, der von der Nahrungssuche abdreht. "Dies ist ein Anglerparadies, hier findet man alle Süßwasserfische" weiß Gerald Lordan, Päßlers Kollege. Und schon entdeckt der Naturparkwächter drei Angeln, die scheinbar herrenlos am Ufer stecken. "Ich gehe mal davon aus, dass an jeder nur ein Harken ist. Mehr ist nicht erlaubt." Und wenn doch? Dann würde er sein Ausweis zücken und mit den Leuten reden, zur Not auch die Polizei holen, stellt der Wächter der Natur seine Rolle klar.
Deutlich ist seine Kritik an jenen zu hören, die an der so genannten Russenbadestelle ein Feuer machten und sogar Folienreste "vergaßen". Hier legen wir zum Picknick an, nehmen anschließend natürlich allen Abfall wieder mit. Nicht ohne voher Steffen Päßler ein paar Schritte in den dichten Wald zu folgen. Hier, erklärt er, sind Hügelgräber aus der Bronzezeit, als archäologisches Denkmal ausgewiesen. Sigbert Rahm aus Korleput,
der auf dem Kanu auch schon auf vielen Seen unterwegs war, ist begeistert:"Ohne Führung hätte ich das bestimmt nicht entdeckt."
Wenige hundert Meter weiter erzählt Steffen Päßler überraschendes: Bis zu 40 Meter reiche hier die Uferböschung hoch. Zu sehen ist das wegen der alten, dicken Buchen, die hier stehen nicht. In den Bäumen hat der Schwarzspecht Höhlen ausgezimmert, die jetzt Schellenten bewohnen, ist zu erfahren. Quer über den Tiefen ( tief ist er tatsächlich 14 Meter) geht es durch den Auslauf in den Flachen Ziest, der nur vier Meter tief ist.
Hier sind sie auch, die versprochenen Blütenmeere. Ein wunderschönes Bild, die weiß blühenden Seerosenfelder! Und endlich, wie dazu passend, schaut jetzt auch die Sonne durch die Wolken. Trotzdem, am Ausgangspunkt wieder angelangt, zieht es keinen der Paddler zum Baden ins Wasser. Vielleicht ja auch aus Respekt vor der Natur, so dicht vor der Haustür.
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 SVZ 26.Juli 2004 |